1939 (in Worms geboren) - † 9.8.2008
Kissel bekannte sich zum Primat unbedingter Malerei, zur Dominanz der Farbe, zur massiven Umrisslinie und besonders zu einem höchst sinnlichen Farbauftrag, wenn er mit dem Daumen ins Material ging und ihm selbst sein stets zügiger Pinselduktus oder der Spachtel zu distanziert blieben, wenn es galt ein Lippenpaar aus der Studie am Modell ins Bild zu übertragen.
Ein weiteres Merkmal seines Vortrages bestand in einer Vorliebe für dieIntensität komplementärer Kontraste von aneinander grenzenden in sichfarbäquivalenter Flächen. Ein leuchtendes Rot, das Kissel gerne alsGrundton wählte, legte er wie eine Draperie an, die das Inkarnat derHaut lustvoll unterstrich. Eine raumenge Mehrfarbigkeit behielt er den Physiognomien vor und forderte damit vom Betrachter eine besondere Aufmerksamkeit. Über die geschminkten Köpfe schien er auf eine Typologie des Weiblichen hin zu führen, ließ sich aber jeden Freiraum, dem Typus nach eigenem Entscheid wieder eine individuelle Charakterisierung zu geben.
Natürlich war Gernot Kissel – unter Anwendung der schon beschriebenen Methoden – auch ein glänzender Maler von Blumenstücken und Landschaften. Er verband eine rein malerische Gegenstands- und Ambientebehandlung mit der Formenreduktion der klassischen Moderne.
Prof. Dr. Helge Bathelt, M.A


